Psychophysiologie der Geburt: Hormone, Schmerz und Emotionen
Psychophysiologische Grundlagen Wechselwirkung von Hormonen (Oxytocin, Adrenalin, Endorphine) und Gefühlen Während der Geburt findet ein dicht vernetztes Zusammenspiel hormonaler Systeme statt, das unmittelbar das Erleben und die Verhaltensreaktionen der Gebärenden beeinflusst. Oxytocin, freigesetzt vor allem aus dem Hinterlappen der Hypophyse, ist der zentrale Motor für Uteruskontraktionen: Dehnungsreize von Muttermund und Gebärmutterwand sowie vaginale Stimulation führen zu Oxytocinfreisetzung, was stärkere Kontraktionen und wieder vermehrte Dehnung zur Folge hat (positives Feedback). Neben der mechanischen Wirkung moduliert Oxytocin Affekt und Sozialverhalten: es fördert Vertrauen, Geborgenheit, Nähebedürfnis und eine verstärkte Bindungsbereitschaft gegenüber dem Kind — Zustände, die wiederum die Oxytocinfreisetzung begünstigen. Dem gegenüber stehen Stress- und Aktivierungshormone wie Adrenalin und Noradrenalin. In Situationen von Angst, Schmerz oder Umgebungsstress kommt es zu einem Anstieg dieser Katecholamine. Hohe Adrenalinspiegel können die uterine Durchblutung und die Koordination der Wehenstätigkeit stören und hemmen unter Umständen die Oxytocinwirkung, wodurch sich die Geburt verlängern…